MEIN KOPF PLATZT GLEICH | Kurzgeschichte über Achtsamkeit
Lea hat alles im Griff – ihren Job, ihr Leben, ihren Alltag. Doch warum fühlt sie sich trotzdem ständig erschöpft und leer? Ein unerwarteter Moment reißt sie aus ihrer Routine und führt sie auf eine Reise, die alles verändert – eine Reise zu mehr Achtsamkeit, Natur und dem echten Leben jenseits des Großstadtlärms.
In diesem Beitrag:
Kurzgeschichte über mehr Achtsamkeit im Alltag
Kapitel 1
Manchmal frage ich mich, warum ich eigentlich so gestresst bin. Mein Leben ist doch gar nicht so anstrengend. Ich hab' einen soliden Bürojob, keine Überstunden, mein Chef ist okay, meine Kollegen auch. Und trotzdem ist da diese ständige innere Unruhe. Dieses unterschwellige Rauschen im Kopf, das mich selbst an Wochenenden nicht loslässt. Ein Gefühl, als wäre ich ständig auf dem Sprung – aber ohne genau zu wissen, wohin.
Ich hetze durch die Stadt, die wie immer laut, hektisch und grau ist. Autos hupen, Menschen eilen an mir vorbei, jeder mit seinem eigenen Ziel, seiner eigenen Agenda. Mein Ziel heute? Früher im Büro sein, mal entspannt in den Tag starten. Doch stattdessen sitze ich in der U-Bahn, starre auf mein Handy, scrolle durch Social Media, lese Nachrichten, checke Mails. Die Welt schreit mich aus allen Richtungen an, und ich lasse es einfach zu.
Im Büro geht’s weiter wie immer. Meetings, Excel-Tabellen, Mails. Nichts davon ist wirklich schlimm, aber es frisst meine Energie. Konzentrieren? Fehlanzeige. Meine Gedanken springen wild herum, immer einen Schritt weiter als meine Aufgabenliste. In der Mittagspause sitze ich mit meiner Kollegin Sarah draußen, während sie genervt in ihr Sandwich beißt.
"Ey, ich schwöre, mein Kopf platzt gleich. Ich hab' gestern bestimmt drei Stunden durch TikTok gescrollt und mich danach noch schlechter gefühlt als vorher."
Ich lache kurz, aber irgendwie trifft es einen Nerv. "Kenn ich. Ich war gestern fast vier Stunden am Handy. Einfach so. Ohne Grund."
Sarah verdreht die Augen. "Irgendwas fehlt uns, oder? Ich meine, wir haben doch alles. Job, Wohnung, genug Freizeit. Warum fühlt sich das trotzdem so leer an?"
Diese Frage bleibt mir den ganzen Tag im Kopf hängen. Vielleicht fehlt mir wirklich was. Aber was? Mehr Urlaub? Ein neues Hobby? Oder bin ich einfach nur undankbar?
Nach Feierabend entscheide ich mich spontan für einen Umweg durch den Park. Einfach mal raus aus dem Büro, weg von den Menschenmassen. Ich setze mich auf eine Bank, atme tief ein. Der Lärm der Stadt ist noch da, aber gedämpfter. Automatisch greife ich nach meinem Handy – doch dann sehe ich sie: eine ältere Frau, die ein paar Meter entfernt auf einer anderen Bank sitzt. Sie tut … nichts. Keine Kopfhörer, kein Handy, kein Buch. Sie sitzt einfach nur da und beobachtet die Welt.
Ich blinzele. Wie macht sie das? Wieso sitzt sie da, als hätte sie alle Zeit der Welt?
Sie dreht sich zu mir um, als hätte sie meine Gedanken gelesen. Lächelt. Und sagt dann einfach: "Setz dich mal hin, ohne was zu tun. Einfach nur sitzen. Und atmen."
Ich lache unsicher. "Ich? Einfach so sitzen? Das kann ich nicht."
"Doch, kannst du." Ihr Blick ist ruhig, fast amüsiert. "Probier’s mal."
Und irgendwie tue ich es. Ich stecke mein Handy weg, lehne mich zurück. Atme ein. Atme aus. Ich höre das Rauschen der Blätter, die Gespräche der Menschen, das entfernte Hupen der Autos. Zum ersten Mal seit langer Zeit tue ich nichts.
Und es fühlt sich ... komisch an. Aber auch irgendwie gut.
Folge mir auf:
Kapitel 2
Ich sitze da. Einfach so. Ohne Handy, ohne Ablenkung. Nur ich, die Bank und die Geräusche um mich herum. Und ganz ehrlich? Es fühlt sich merkwürdig an. Mein Kopf will sofort wieder losrasen, Listen erstellen, To-dos abhaken. Doch stattdessen zwinge ich mich, einfach nur zu sitzen.
Die ältere Frau von eben hat sich inzwischen erhoben und geht langsam davon. Ich beobachte sie aus dem Augenwinkel, während ich mit meinen Händen über das kühle Holz der Bank fahre. Es ist ungewohnt, aber auch irgendwie ... befreiend?
Ich schließe kurz die Augen. Atme ein. Atme aus. Zum ersten Mal seit langer Zeit spüre ich wirklich, wie die Luft meine Lunge füllt und wieder verlässt. Der Lärm der Stadt ist noch immer da – hupende Autos, Gesprächsfetzen, entfernte Sirenen – aber es ist, als würde er nicht mehr so stark auf mich einwirken. Als hätte ich eine kleine Blase um mich herum geschaffen.
Ein leises Lächeln huscht über mein Gesicht. Vielleicht war das gar keine so schlechte Idee.
Mein Blick schweift über den Park. Die Sonne wirft ein warmes Licht auf die Wiese, ein paar Kinder rennen lachend umher, ein Hund jagt einem Ball hinterher. Wie oft bin ich hier schon vorbeigelaufen, ohne das alles wirklich wahrzunehmen? Ohne es überhaupt zu registrieren?
Ich beobachte eine alte Dame, die mit einem kleinen Dackel langsam über den Gehweg schlendert. Sie bleibt stehen, redet leise mit dem Hund, lächelt und geht weiter. Ein junges Paar sitzt auf einer Decke im Gras, teilt sich eine Tüte Pommes und lacht über irgendetwas. Weiter hinten balanciert ein kleines Kind auf einer niedrigen Mauer, die Arme weit ausgebreitet, während die Mutter wachsam danebensteht. Szenen des Alltags, lebendig, ruhig – und wunderschön in ihrer Einfachheit.
Plötzlich setzt sich jemand neben mich. Ich blinzle und drehe mich zur Seite. Sarah. Sie hält zwei Coffee-to-go-Becher in der Hand und reicht mir einen.
"Hab dich fast nicht erkannt, so ruhig und friedlich", grinst sie und nimmt einen Schluck. "Was machst du hier?"
Ich zucke mit den Schultern. "Keine Ahnung. Sitzen. Atmen. Irgendwie mal nichts tun."
Sarah zieht eine Augenbraue hoch. "Okay. Das klingt nicht nach dir."
"Ja, ich weiß." Ich seufze und drehe den Becher in meinen Händen. "Aber vielleicht sollte es das."
Sie mustert mich kurz und nickt dann langsam. "Vielleicht." Dann lehnt sie sich zurück, schaut in den Himmel und sagt nach einer Weile: "Weißt du was? Ich glaube, ich bleib noch ein bisschen. Einfach nur so."
Ich grinse. "Gute Idee."
Und so sitzen wir da. Zwei Großstadtnomaden, die für einen Moment einfach nur existieren. Die hektische Welt um uns herum scheint sich zu verlangsamen, als ob sie uns diesen kurzen Augenblick gönnt.
"Weißt du noch, als wir uns das erste Mal getroffen haben?" fragt Sarah nach einer Weile, während sie mit ihrem Becher spielt. "In der Kaffeeküche, als du mir diesen unfassbar schlechten Cappuccino empfohlen hast?"
Ich lache leise. "Oh Gott, ja. Ich dachte, der wäre gut."
"Er war schrecklich." Sie grinst. "Aber wir haben den ganzen Mittag darüber gelacht. Vielleicht ist das der Trick – einfach mal stehen bleiben und lachen. Oder wenigstens durchatmen."
Ich lasse ihren Gedanken auf mich wirken. Vielleicht hat sie recht. Vielleicht sind es nicht die großen Veränderungen, die den Unterschied machen. Vielleicht sind es genau diese Momente. Die, die wir sonst immer verpassen.
Die Sonne senkt sich langsam und taucht den Park in ein warmes, goldenes Licht. Mein Handy vibriert in meiner Tasche, aber ich ignoriere es. Zum ersten Mal seit Langem verspüre ich keinen Drang, nachzusehen.
Ich lehne mich zurück und genieße den Moment. Einfach so. Und es fühlt sich genau richtig an.
Kapitel 3
Am nächsten Morgen fühlt sich alles ein bisschen anders an. Nicht völlig neu oder revolutionär, aber irgendwie ... leichter. Als hätte ich über Nacht eine unsichtbare Last abgelegt, die ich vorher gar nicht bemerkt hatte. Natürlich ist der Stress nicht einfach verschwunden – mein Job, meine To-do-Listen, all das wartet noch immer auf mich. Aber irgendetwas in mir hat sich verändert. Vielleicht nur ein winziger Schalter, der sich umgelegt hat.
Ich stehe in meiner kleinen Küche, die Kaffeemaschine surrt leise, während der Duft von frisch gebrühtem Kaffee durch den Raum zieht. Normalerweise würde ich jetzt hektisch durch die Wohnung laufen, mein Handy checken, E-Mails überfliegen, während ich mit einer Hand mein Frühstück zusammenwerfe. Aber heute nicht. Heute stehe ich einfach nur da und warte. Ich nehme die Tasse in die Hand, spüre die Wärme auf meinen Fingern und nehme einen tiefen Schluck. Der erste bewusste Schluck Kaffee seit ... ich weiß nicht wann.
Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Es ist so simpel, so banal – und doch fühlt es sich besonders an.
Auf dem Weg zur Arbeit entscheide ich mich bewusst dafür, nicht sofort mein Handy aus der Tasche zu ziehen. Stattdessen lehne ich mich in meinem Sitz zurück und beobachte die Menschen um mich herum. Ein kleiner Junge drückt seine Nase gegen das Zugfenster und verfolgt fasziniert die vorbeiziehenden Bäume. Eine Frau blättert in einem Buch, ihre Lippen bewegen sich lautlos mit, als würde sie sich selbst etwas zuflüstern. Zwei ältere Herren unterhalten sich angeregt über Fußball, gestikulieren wild und lachen dabei herzlich.
Früher hätte ich mich genervt abgewandt, hätte meine Kopfhörer eingesteckt und mir den Weg zur Arbeit mit Podcasts oder Musik gefüllt. Doch jetzt sehe ich all das und merke: Ich bin ein Teil davon. Ein Teil dieser Welt, die ich so oft übersehe.
Im Büro angekommen, läuft alles wie immer. Sarah kommt mit zwei Kaffee in der Hand auf mich zu, drückt mir einen in die Hand und grinst. „Du warst aber still heute Morgen. Keine endlosen Sprachnachrichten mit Beschwerdelisten?“
Ich lache und schüttle den Kopf. „Ich hab mir einfach mal Zeit gelassen.“
Sarah zieht eine Augenbraue hoch. „Du? Zeit lassen? Das muss ich erleben.“ Sie lehnt sich gegen meinen Schreibtisch und nimmt einen Schluck. „Hat das mit deinem seltsamen Bank-Sitzen gestern zu tun? War das eine Art Erweckungserlebnis?“
„Vielleicht. Ich weiß es noch nicht genau.“ Ich zucke mit den Schultern. „Aber ich will’s ausprobieren. Einfach mal nicht immer durch alles durchrasen. Bewusster sein. Weniger Multitasking, mehr ... Momente.“
Sie mustert mich mit einem nachdenklichen Blick, dann nickt sie langsam. „Okay. Klingt vernünftig. Aber ich behalte dich im Auge – falls du anfängst, Räucherstäbchen im Büro zu verteilen.“
Ich lache. „Deal.“
Als ich mich meinem Bildschirm zuwende, stelle ich fest, dass die To-do-Liste noch genauso lang ist wie gestern. Der Berg an Arbeit ist nicht geschrumpft, nur weil ich ein paar Momente bewusster gelebt habe. Aber irgendwas fühlt sich anders an. Weniger erdrückend. Ein bisschen heller.
Vielleicht ist das der erste Schritt.
Kapitel 4
Es ist verrückt, wie schnell der Alltag einen wieder einsaugen kann. Gerade noch hatte ich das Gefühl, etwas Neues entdeckt zu haben – diesen winzigen Schalter in mir, der vielleicht ein bisschen mehr Ruhe bringen könnte. Und dann kommt so ein Tag wie heute.
Meetings, E-Mails, Kundenanfragen. Mein Kopf brummt. Ich sitze an meinem Schreibtisch, starre auf den Bildschirm, der in einem Meer aus offenen Tabs versinkt. Mein Blick wandert zur Uhr. Erst 14:30. Ich seufze.
Sarah taucht plötzlich neben mir auf und stößt mich mit der Hüfte an. "Hey, hast du schon Mittagspause gemacht?"
"Ähm …", ich blinzele. Pause? Habe ich daran überhaupt gedacht?
"Dachte ich mir." Sie verdreht die Augen, packt mich am Arm und zieht mich hoch. "Komm, raus mit dir. Zehn Minuten frische Luft. Sonst kriegst du wieder diesen verkniffenen Ich-muss-alles-schaffen-Blick."
Ich könnte protestieren. Sagen, dass ich wirklich viel zu tun habe. Aber dann erinnere ich mich an gestern. An das Gefühl auf der Bank. Und ich lasse mich mitziehen.
Draußen ist es laut. Der Verkehr rauscht, Menschen telefonieren, irgendwo hämmert eine Baustelle. Mein erster Reflex: Handy raus, Kopfhörer rein. Doch stattdessen atme ich tief ein.
Sarah und ich spazieren schweigend den Block entlang. Ich spüre den Wind auf meiner Haut, höre das entfernte Lachen eines Kindes. Es ist nicht vollkommen still – die Stadt ist nie still. Aber inmitten des Chaos gibt es kleine Inseln der Ruhe. Ich muss sie nur finden.
Sarah schaut mich von der Seite an. "Na? Fühlt sich besser an, oder?"
Ich nicke langsam. "Ja. Eigentlich schon."
Sie grinst. "Siehste. Und jetzt – Kaffee?"
Ich lache. "Unbedingt. Aber diesmal suchst du aus. Der letzte war echt nicht mein bester Tipp."
Sie lacht laut, hakt sich bei mir ein, und wir verschwinden in das kleine Café an der Ecke. Vielleicht ist das mein nächster Schritt: Lernen, zwischen dem Lärm die Stille zu hören.
Kapitel 5
Am nächsten Morgen wache ich mit einem klaren Gedanken auf: Ich will es wirklich versuchen. Nicht nur ein flüchtiges Experiment, sondern ein bewusster Schritt in eine neue Richtung.
Auf dem Weg zur Arbeit lasse ich mein Handy in der Tasche. Kein Scrollen, kein Nachrichten-Checken. Stattdessen beobachte ich die Menschen um mich herum. Der ältere Mann, der mit seiner Zeitung an der Bushaltestelle sitzt. Die junge Frau mit den Kopfhörern, die gedankenverloren mit dem Fuß wippt. Ich lasse mich auf den Moment ein.
Im Büro ist es nicht ganz so einfach. E-Mails prasseln auf mich ein, Sarah erzählt mir aufgeregt von irgendeinem neuen Projekt, und mein Kalender ist voller Meetings. Aber heute will ich es anders machen.
Zwischen zwei Terminen schließe ich kurz die Augen, atme tief ein und aus. Nur ein paar Sekunden, aber es hilft. Mein Herzschlag beruhigt sich, mein Kopf wird klarer.
In der Mittagspause schnappe ich mir mein Notizbuch und setze mich in den kleinen Park um die Ecke. Ich beginne zu schreiben – keine To-Do-Listen, keine Arbeitssachen. Einfach meine Gedanken, so wie sie kommen. Es fühlt sich fremd an, aber auch befreiend.
Als ich am Nachmittag zurück ins Büro gehe, merke ich, dass ich mich anders fühle. Ruhiger. Mehr bei mir. Vielleicht ist es nur ein kleiner Schritt, aber er fühlt sich richtig an.
Sarah grinst mich an. "Na? Bist du heute auf Achtsamkeitstrip?"
Ich lache. "Vielleicht ein bisschen."
Sie nickt anerkennend. "Dann mach weiter so. Vielleicht kann ich ja noch was lernen."
Ich spüre, wie ein warmes Gefühl in mir aufsteigt. Vielleicht kann ich nicht die ganze Welt ändern. Aber meinen eigenen kleinen Kosmos? Damit kann ich anfangen.
Kapitel 6
Es ist erstaunlich, wie sich die Welt verändert, wenn man anders hinschaut. Früher hätte ich auf meinem Heimweg einfach nur versucht, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Jetzt bleibe ich öfter stehen, sehe mich um, höre zu.
Heute entscheide ich mich für einen kleinen Umweg durch einen Park. Er liegt nicht direkt auf meinem Weg, aber ich will es ausprobieren. Die Bäume wiegen sich sanft im Wind, irgendwo zwitschert ein Vogel, und für einen Moment vergesse ich, dass ich mitten in einer Stadt bin.
Ich setze mich auf eine Bank und atme tief durch. Ein älterer Mann mit einem Buch nickt mir freundlich zu. Ein Kind jagt lachend einer Taube hinterher. Ich lächle unwillkürlich. Wann habe ich mir zuletzt bewusst Zeit genommen, einfach nur zu beobachten?
Plötzlich vibriert mein Handy. Reflexartig greife ich danach, halte aber mitten in der Bewegung inne. Muss ich wirklich jetzt draufschauen? Ich entscheide mich dagegen. Stattdessen lehne ich mich zurück und schließe für einen Moment die Augen.
Am Abend erzähle ich Tim von meinem kleinen Experiment. Wir sitzen zusammen auf dem Sofa, er scrollt durch sein Handy, während ich eine Tasse Tee in den Händen halte.
"Also du hast einfach da gesessen und nichts gemacht?" Er hebt eine Augenbraue.
"Genau das."
Er schüttelt den Kopf und grinst. "Und das soll entspannend sein?"
"Ja. Und weißt du was? Ich habe das Gefühl, dass ich heute zum ersten Mal seit Ewigkeiten wirklich bewusst nach Hause gekommen bin. Ohne, dass meine Gedanken schon wieder bei der Arbeit oder sonst wo waren."
Er legt sein Handy zur Seite und sieht mich an. "Hmm. Vielleicht sollte ich das auch mal ausprobieren."
Ich lächle. Ein kleiner Sieg.
Kapitel 7
Am Samstagmorgen wache ich mit einem kribbelnden Gefühl im Bauch auf. Tim und ich haben beschlossen, heute einen kleinen Ausflug ins Grüne zu machen. Nicht weit, nur raus aus der Stadt, irgendwohin, wo man nicht an jeder Ecke eine Ampel sieht oder den Lärm der Straßenbahn hört.
"Bist du sicher, dass du nicht einfach nur in ein Café willst?" Tim streckt sich und gähnt, während er seinen Kaffee umrührt.
Ich schmunzle. "Nein. Heute gibt’s Natur pur. Ganz ohne WLAN."
Er verdreht die Augen, grinst aber. "Na gut. Du bist die Chefin."
Wir packen eine Decke, eine Thermoskanne mit Tee und ein paar Snacks ein. Die Zugfahrt dauert nur eine halbe Stunde, aber als wir aussteigen, fühlt es sich an wie eine andere Welt. Keine Hochhäuser, keine hupenden Autos. Nur ein schmaler Weg, der sich durch ein kleines Waldstück schlängelt.
Ich atme tief ein. "Wow."
Tim schaut mich an. "Schon vergessen, wie Bäume aussehen?"
Ich lache. "Fast."
Wir spazieren los, lassen uns Zeit. Tim zückt ein paar Mal sein Handy, macht Fotos, aber irgendwann steckt er es einfach weg. Wir reden über alles und nichts, lachen über absurde Dinge, bleiben stehen, um ein Eichhörnchen zu beobachten, das flink über einen Ast huscht.
Irgendwann finden wir eine Lichtung und breiten unsere Decke aus. Ich lehne mich zurück, schließe die Augen und genieße die Stille.
"Gar nicht so übel, oder?" murmle ich.
Tim brummt zustimmend. "Eigentlich ganz nice. Hätte nicht gedacht, dass das so entspannt."
Ich öffne die Augen und sehe ihn an. Er liegt neben mir, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen.
Ein warmes Gefühl breitet sich in mir aus. Vielleicht ist das erst der Anfang. Aber es fühlt sich nach etwas Gutem an.
Kapitel 8
Zurück in der Stadt fühlt sich alles anders an. Obwohl sich an meinem Alltag nichts geändert hat – der Weg zur Arbeit, die vollen Straßen, das Dröhnen der Straßenbahn – spüre ich, dass sich in mir etwas verschoben hat.
Ich habe das Gefühl, mehr wahrzunehmen. Als ich am Montagmorgen zur Arbeit gehe, höre ich zum ersten Mal das Zwitschern eines Vogels zwischen den Betonfassaden. Ich bemerke, wie die Sonne sich in den Fensterscheiben spiegelt und ein faszinierendes Lichtspiel erzeugt. Und vor allem merke ich, dass ich ruhiger bin.
Tim auch. Am Abend, als wir gemeinsam auf dem Sofa sitzen, lehnt er sich entspannt zurück und grinst mich an.
„Weißt du, was verrückt ist?“, fragt er.
„Was denn?“
„Ich hatte heute viel weniger Lust, ständig aufs Handy zu schauen.“
Ich lache leise. „Vielleicht ist dein Hirn noch im Wald.“
„Möglich.“ Er streckt sich. „Was hältst du davon, wenn wir nächstes Wochenende wieder rausfahren? Vielleicht ein bisschen weiter?“
Mein Herz macht einen kleinen Hüpfer. Ich hätte nicht gedacht, dass Tim so schnell Gefallen daran finden würde.
„Sehr gerne!“, sage ich und lehne mich an ihn.
Es fühlt sich an, als hätten wir etwas entdeckt, das wir beide lange vermisst haben, ohne es zu wissen. Ein kleines Stück Ruhe mitten im Chaos. Und ich bin gespannt, wohin uns diese Reise noch führt.
Starte auch du dein achsames Leben mit Hilfe des Achtsamkeitstagebuchs für jeden Tag
Alles liebe,
Alexandra
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Die Autorin
Alexandra Onken ist 1991 geboren, Mutter, Autorin, Künstlerin und Creator. Am liebsten schreibt sie über Slow Living, Organisation, bewusstes und achtsames Leben, sowie über die Balance von Minimalismus und Maximalismus, da Stressfreiheit und Zufriedenheit im Alltag und Beruf, ihr sehr am Herzen liegen. Mit “Freiheitsliebe leben” möchte sie anderen Menschen helfen, stressfrei, organisiert und frei zu leben.
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